Warum mache ich das alles eigentlich?

Mit 53 Jahren noch mal neu starten – warum mache ich das alles eigentlich?

Heute ist es soweit: Ich schreibe den ersten Blogbeitrag für meine neue Webseite. Darum wird es heute auch ein bisschen persönlicher. Und in Zukunft wird es hier um Themen gehen wie Slow Fashion, Kleiderpflege, der richtige BH und noch viel mehr, was mit Mode und Stil zu tun hat. Und natürlich werde ich hier auch Neuigkeiten von Death by Dress mit Euch teilen! 😉

Raus aus dem künstlich geschaffenen Universum!

Ich muss verrückt sein, denke ich mir manchmal. Den vermeintlich sicheren Job mit übertrieben hoher Bezahlung aufzugeben. Wegen meiner Werte und dem Drang, die Welt irgendwie besser zu machen. Wegen meiner Gesundheit und weil ich mit Freude arbeiten möchte – mit Menschen, die reflektiert und empathisch sind. Denn ich möchte dem Menschen zugewandt arbeiten.

So vielen Unternehmen sind die Menschen, besser gesagt ihre Mitarbeiter, völlig egal. Die Gesellschaft dient ihnen nur, um noch mehr Geld zu verdienen, sie arbeiten teilweise sogar auf Kosten der Gesellschaft. Moral und Reue? Fehlanzeige. Stattdessen: null Fehlerkultur. Man hat zu liefern, ganz egal, was für ein Stuss gerade vom Management verlangt wird. Lobkultur gibt es nicht, aber jeder Fehler, jedes nicht angepasste Verhalten, wird peinlichst genau dokumentiert. „Geht nicht“ gibt es in einer solchen Kultur nicht, „Ich will, egal wie“ zählt.

Wenn man in so einem Unternehmen arbeitet, ist man ganz schnell in diesem Kreislauf drin, oder besser in diesem künstlich geschaffenen Universum. Da zählt nur die Leistung, selbst die Kinder und die Partner werden dem Leistungsprinzip untergeordnet. So lange, bis man es als völlig normal ansieht, dass das Leben aus Leistung besteht. Und wehe, Du passt nicht mehr in dieses Raster, dann wird man „ausgephast“. Ja, das ist der Begriff dafür.

Ein Burn-out – mein Glück!

Heike-früher-Heike-heuteIch hatte 2011 einen Burn-out. Was für ein Glück! Das hat mich zu mir geführt. Auf die Suche danach, wer ich eigentlich bin und was ich eigentlich will. „Ausphasen“ wollten man mich wegen des Burn-outs. Ich sei nicht mehr belastbar und eine Zumutung für das Team, meinte meine Vorgesetzte. Ja, eine Frau. „Ausphasen“… ich kam mir vor wie bei Raumschiff Enterprise, denn diesen Begriff kannte ich bis dahin gar nicht.

Als ich ins Berufsleben startete, existierte noch eine andere Kultur. Da waren Unternehmen stolz auf Ihren Ruf. Sie waren stolz auf Ihre langjährigen Mitarbeiter. Sie haben Werkswohnungen gebaut, um die Mitarbeiter für sich zu gewinnen und zu halten. Die Mitarbeiter haben sich mit ihrem Arbeitgeber identifiziert. Man war Stolz darauf, für das Unternehmen zu arbeiten. Das Management kannte noch so etwas wie Moral. Irgendwann ist das alles auf der Strecke geblieben … für den Profit.

Die Leistungsgesellschaft hat sich durchgesetzt. Aber leider haben nur die Management-Etagen etwas davon, der Mitarbeiter ist einem gnadenlosen System ausgesetzt. Entweder du funktionierst oder bei der nächsten Umstrukturierung stehst du auf der Liste – und wer will das schon. Die Kinder, in der Regel drei, gehen auf teure Privatschulen und benötigen Nachhilfe, weil sie sonst das Abitur nicht mit 1,0 machen. Die Hypothek fürs Haus beläuft sich auf 900.000 Euro und muss abbezahlt werden. Und schließlich will man noch mindestens drei Mal im Jahr in Urlaub fahren. Ach ja, und der SUV ist auch noch finanziert. Da wird es schwierig, downzusizen.

Ich suche einen anderen Weg – für mich.

Kann ich es besser machen? Ich weiß es nicht. Aber einen Versuch ist es allemal wert. Und das Glück der Frauen, die sich über ihre Kleider freuen, ist ein schönes Geschenk, das mich immer wieder antreibt.

Und da sind noch die ehemaligen Kollegen, die zu mir sagen: „Du bist mein Vorbild!“ Und die sich überlegen, was sie alternativ machen können. Genau wie die Menschen, die ich jetzt treffe: So viele, die alternative Wege gehen und versuchen, es ein bisschen anders zu machen. Im Kleinen, wie im Großen. Und ich bin stolz darauf, Teil dieser Bewegung zu sein.

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