Let’s fall in Love

Let’s fall in Love – Sag Ja zu Dir!

In den letzten Wochen hatte ich wieder einmal eine tolle Frau bei mir im Atelier. Eine echte Powerfrau, die gemeinsam mit Ehemann bei mir vorbei kam. Sie wollte sich ein Kleid aussuchen, was aber nicht so einfach war: Die faltigen Ellenbogen dürften nicht zu sehen sein, der Bauch sei zu dick und der Busen zu groß. Die Winkearme müssten auch versteckt werden und die Knie sind zu knubbelig, um sie zu zeigen.

Irgendwann reichte es mir. Ich sagte ihr, dass ich eine tolle Frau vor mir sehe, mit einer großartigen Ausstrahlung mit ganz viel Power. Sie solle doch mal versuchen auf die positiven Dinge zu sehen und nicht auf die vermeintlichen Mängel.

Da schaute sie verblüfft ihren Mann an und meinte, das sei ja ein ganz andere Sichtweise. Aber es gäbe keine Frau, die mit ihrem Aussehen zufrieden sei. Doch, antwortete ich, ich bin es. Ich bin sehr zufrieden mit mir und das, obwohl ich unterdurchschnittlich klein bin, ein Bäuchlein habe, die Haare nicht glatt und blond sind, die Finger kurz und dicklich sind, der Busen unterschiedlich groß.

Ein langer Weg zur Selbstliebe

Es war ein langer Weg bis dahin. Viele Selbstoptimierungsversuche, fünf mal die Woche in die Muckibude, nur noch Knäckebrot essen und all so ein Quatsch. Ich war ein Leichtgewicht und durchtrainiert. Aber das Bäuchlein ist geblieben, die Finger sind immer noch zu kurz und die Haare wurden davon auch nicht lang, glatt und blond.

Irgendwann hatte ich die Nase voll davon, dass die Waage meine Laune für den Tag bestimmte. 500 Gramm zu viel, und der Tag war gelaufen. 500 Gramm weniger und es war ein super Tag. Ich habe das Ding kurzer Hand entsorgt (nein, auch nicht weiter verschenkt). Seit 20 Jahren gibt es keine Waage mehr in meinem Haushalt, nur die Küchenwaage die darf sein. Und irgendwann hatte ich die Nase voll davon, Hosenanzüge anzuziehen oder Kostüme, damit die Kollegen einen für voll nahmen. Ich wollte nicht mehr uniformiert und angepasst durchs Leben laufen. Ich wollte wissen, wer ich eigentlich bin. Die Schichten abtragen, die durch unsere Umwelt angelegt wurden.

Eine neue Sichtweise auf sich selbst

Die Sicht auf uns selbst wird geprägt durch die Erziehung unserer Eltern, durch die Schule und die Medien. Alles muss heute perfekt und optimiert sein. Nicht nur die Karriere, auch der Körper muss perfekt sein. Alle sollen aussehen wie Heidi Klum und Kolleginnen. Mütter sitzen mit ihren Töchtern vor dem TV und sehen Germany’s Next Topmodel. Sie bringen damit ihren Töchtern bei, dass es völlig ok ist, sich erniedrigen zu lassen, wenn man nicht diesen einen, angeblich perfekten Look hat. Dass es in Ordnung ist, sich über andere lustig zu machen, wenn sie nicht den „perfekten“ Look haben. Und dass es völlig ok ist, alles mit sich machen zu lassen, damit man diesen Model-Job bekommt. Mein Tipp: Diese Mütter sollten ihren Töchtern gleich den #metoo mitgeben.

Solange wir Frauen uns nicht selbst lieben, so wie wir sind – solange wir unsere Kinder nicht so erziehen, dass jeder Mensch, egal, wie er aussieht, ein schöner und liebenswerter Mensch ist – solange werden wir uns selbst diskriminieren. Da helfen keine Verbote, Gleichstellungsgesetze oder die Anpassung der Sprache. Da können wir uns nur selbst helfen.

Dabei entsteht eine ganz andere Sichtweise auf uns selbst fast wie von allein, wenn wir auf unsere positiven Seiten schauen. Und dazu eine sehr gesunde und bejahende. Diese Lebenssicht macht Freude, frei und glücklich. Probiere es doch einfach mal aus.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.